Zur Person
Martin Potts (1952 – 2014) war ein britischer Künstler, der die meiste Zeit seines Lebens in New York, USA, lebte und arbeitete.
Potts beschloss schon früh, nicht in die Fußstapfen seines Vaters, eines Landwirts, zu treten, und bewarb sich stattdessen für ein Kunststudium am Leeds College of Art (damals Jacob Kramer College), das in den 1960er Jahren als “… die einflussreichste Kunstschule in Europa seit dem Bauhaus” galt und zu dessen Absolventen Barbara Hepworth, Henry Moore und Harry Thubron zählten. 1969 begann er in Leeds sein Studium der Malerei. Nach Abschluss seines Grundstudiums im Jahr 1971 erhielt Potts einen Studienplatz an der Bath Academy of Art, wo er die Künstlerin Angela Eames kennenlernte, mit der ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte. Eine seiner ersten Ausstellungen fand 1973 in der Pall Mall Gallery in London statt, wo sein Werk für die Stowells Trophy ausgewählt wurde. Von 1974 bis 1976 studierte Potts an der Slade School of Art, zusammen mit Angela Eames. Seine Lehrer waren Noel Forster, Tess Jaray und Malcolm Hughes. Im Jahr 1976 wurde er mit dem renommierten zweijährigen Abbey Major Stipendium der British Academy in Rom ausgezeichnet und verbrachte die nächsten zwei Jahre dort, um zu malen. Während dieser Zeit wurde er stark von der italienischen Kultur, insbesondere aber von der Landschaft und dem Licht beeinflusst. In Rom bestätigte und festigte sich sein malerisches Interesse an Farbkompositionen und Farbrelationen. Er begann ausgiebig in Sequenzen und Serien zu arbeiten.
1978 zog Potts nach New York, wo er sich niederließ, und sein Studio aufbaute. Hier begann er, sich mit der Dreidimensionalität in der Malerei zu beschäftigen. Durch die Verwendung von Paletten, die er zersägte und als Kollagen zusammenfügte, entdeckte er zusätzlich zu der räumlichen Tiefe außerdem seine Vorliebe für starre Bildträger.
In New York arbeitete Potts auch weiterhin für den britischen Künstler Richard Smith (1931-2016), den er während seines Studiums an der Bath Academy of Art in Corsham kennengelernt hatte. Er war dort sein Assistent geworden, und blieb mit ihm bis zu seinem Tod eng verbunden. Ab 1980 arbeitete Potts auch als Assistent für andere befreundete Künstler. Er konstruierte sowohl komplexe Keilrahmen und Bildträger, als auch Lofträume, Küchen, Galerie-Interieurs und Möbel. Er arbeitete unter anderem mit John Torreano, Bobbie Oliver, Matt Mullican, Crozier Fine Art, Glen Goldberg und John Wilcox zusammen. Hervorzuheben ist seine gestalterische Umsetzung für die utopisch Raumschiffartige “Glass Bar” in Chelsea, die er für Leeser Architecture, die innovative architektonische Designlösungen entwickeln, ausführte. Seine eigenen Werke stellte Potts in der Fawbush Gallery, New York, der Paul Klein Gallery, Chicago, und bei Vaughan and Vaughan, Minneapolis, aus und nahm an zahlreichen Gruppenausstellungen in New York teil.
Potts ist vor allem für seine dreidimensionalen Arbeiten auf Holz bekannt. Die Dreidimensionalität war in seinem Werk stets präsent, entweder physisch konstruiert oder in einer zweidimensionalen Malfläche angedeutet. Dabei interessierte ihn die Oszillation zwischen der planen Oberfläche und ihrer Erscheinung im physischen Raum. Daher befassen sich seine Werke unmittelbar mit der visuellen Tiefe der gemalten Oberfläche und den visuellen Unterbrechungen, die sich in den dreidimensionalen Objekten zeigen. Potts intensive Arbeitsweise, die die Oberflächen der Werke immer wieder bearbeitet und formt, spiegelt seine Faszination der scheinbaren Auflösung des Raumes durch den Einfluss von Farbe und Licht wider. Die vielschichtigen inhaltlichen Bezüge, die sich in seinem Werk finden, gehen auf Potts’ weitreichende Interessen an der Musik, Mythologie, Mathematik, Wissenschaft, Literatur, Religion und Philosophie zurück. Die Schriften von James Joyce und dem indischen Philosophen Jiddu Krishnamurti wirkten ebenso prägend wie die Musikkompositionen von Erik Satie und Olivier Messiaen.
“Die disziplinierte Tätigkeit des Malens war für Martin die Grundlage seiner künstlerischen Arbeit. Jeder einzelne Schritt, jede Vorzeichnung, jede Materialbeschaffung und jeder Pinselstrich wurde mit Sorgfalt ausgeführt. Es gab auch Momente der Stille und der Kontemplation, in denen der Inhalt in Verbindung mit den visuellen Möglichkeiten seinen nächsten Schritt, sein nächstes Bild, bestimmte. Ob es sich nun um Rohmaterialien handelte, die auf den Straßen New Yorks gefunden wurden, oder um die zeitgenössischen industriellen Plattenmaterialien des Baugewerbes, alle wurden auf unkomplizierte und völlig angemessene Weise für die Manifestation des gemalten Bildes verwendet. Die Farbe war entscheidend. Der Bildraum wurde erforscht. Inhalt war Menschlichkeit.”
Angela Eames – 2014 (Deutsche Übersetzung)
Im Mai 2014 wurde Martin Potts mit einer unheilbaren Krankheit diagnostiziert. Sein Atelier wurde geschlossen und er kehrte nach Deutschland zurück, um bei seiner Familie zu sein. Er starb am 12. Juli in Münster. Zum Gedenken an ihn wurde im folgenden Jahr seine letzte großformatige Werkserie “The Adorations” in der Flowers Gallery in London ausgestellt.